Wo aus Milch Käse wird und Zeit den Unterschied macht
Es beginnt im Keller – schwer, kühl, erfüllt vom Duft nach gereiftem Käse, der sofort die Sinne einnimmt.
27.05.2026 - In den Regalen der Kronen Käserei AG in Schaan lagern rund 120 Tonnen Käse. Ein Anblick, der gleichermassen überwältigend wie schön ist: Laib an Laib, auf heimischem Fichtenholz gebettet, jeder einzelne ein Produkt aus Zeit, Sorgfalt und Liebe zum Handwerk. «Je nach Sorte zwei bis 14 Monate Reifezeit», erklärt Fabian Wohlwend, während er durch die Reihen geht, als würde er alte Freunde begrüssen. Jede Bewegung verrät seine Verbundenheit mit dem Produkt. Es ist nicht nur Arbeit, es ist Leidenschaft, Verantwortung und Respekt vor dem, was hier aus Milch entsteht. Hier unten wird deutlich, was die Kronen Käserei ausmacht: Natürlicher Genuss aus hochwertiger Qualitätsmilch, vereint mit jahrhundertealter Käsekunst. Jeder Laib erzählt seine eigene Geschichte, von den Weiden Liechtensteins über die Milchlieferanten, die täglich ihre frische Milch bringen, bis hin zur Pflege im Keller, wo Geduld die wichtigste Zutat ist.
Zwischen Zahlen, Verantwortung – und ganz viel Käse
Das Gespräch führen wir eine Etage höher. Büro, Bildschirm, Alltag. Und doch dreht sich auch hier alles um dasselbe: Käse. Fabian Wohlwend ist zuständig für Einkauf, Verkauf, Marketing, Qualitätsmanagement, Produktionsplanung. Ein Jobtitel, der nach viel Büro klingt. Ist er auch. Aber eben nicht nur. Denn wer mit ihm spricht, merkt schnell: Das hier ist kein reiner Verwaltungsjob. Das ist jemand, der genau weiss, was unten im Keller passiert – und warum.
Vom Hörsaal in den Käsekeller
Sein Weg begann klassisch – Gymnasium in Liechtenstein, Matura mit naturwissenschaftlichem Profil, danach fünf Jahre Studium an der ETH Zürich im Bereich Food Science. Und führt am Ende nach Schaan, in eine Käserei, in der Handwerk und Technologie nicht gegeneinander arbeiten, sondern ziemlich gut miteinander auskommen.
2022 der Umbruch: Der Milchhof wird von der Kronen Käserei übernommen. Heute führt Fabian Wohlwend gemeinsam mit Betriebsleiter Beat Ruckstuhl den Standort in Schaan.
In der Kronen Käserei beginnt Qualität nicht erst im Keller, sondern beim Ursprung: der Milch. Rund 40 Liechtensteiner Bauernfamilien liefern täglich Frischmilch – und keine von ihnen legt mehr als zehn Kilometer zurück. Kurze Wege, klare Herkunft, persönliche Beziehungen. Hier kennt man die Lieferanten noch beim Namen. Aus jährlich rund sechs Millionen Litern Milch entsteht Käse – viel Käse. Oder konkreter: Aus etwa zehn Litern Milch wird ein Kilo Käse.
Handwerk trifft Hightech
Fabian Wohlwend: «Der Leitsatz klingt einfach: Tradition trifft Innovation. Und tatsächlich passiert genau das hier. Die Milch wird schonend verarbeitet, im Käsefertiger mit Lab und Kulturen zum Käsebruch verwandelt, gepresst, von der Molke getrennt und landet schliesslich im Salzbad. Was technisch klingt, ist ein fein abgestimmter Prozess. Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Reifezeit, alles muss stimmen. Dann beginnt der vielleicht wichtigste Teil: die Reifung. Auf heimischem Fichtenholz lagern die Laibe wochen- oder monatelang, werden gepflegt, kontrolliert und regelmässig geprüft. Erst wenn Geschmack, Konsistenz und Charakter stimmen, darf ein Käse den Keller verlassen. Der jüngste ist etwa 60 Tage alt. Der älteste? Bis zu 16 Monate gereift, entsprechend kräftig und würzig. Je älter der Käse, desto mehr Persönlichkeit bringt er mit.»
Genuss aus Liechtenstein – Ein regionales Produkt mit internationaler Präsenz
Seit 2022 ist die Kronen Käserei Partnerin der Marke Liechtenstein und trägt das Label «Genuss aus Liechtenstein». Für Fabian Wohlwend ist das mehr als ein Siegel: Es steht für regionale Wertschöpfung, kurze Transportwege und echte Herkunft. Produziert wird ausschliesslich in Schaan – verkauft unter anderem in Coop-Filialen sowie regionalen Geschäften. Gleichzeitig geht ein grosser Teil in den Export, vor allem in die Schweiz und die EU. Ein Spagat zwischen Heimat und internationalem Markt, der gut funktioniert.
Nachhaltigkeit ist hier kein Schlagwort, sondern Alltag:
Fernwärme aus der KVA Buchs, eine eigene Photovoltaikanlage auf dem Dach, der Anspruch, Prozesse Schritt für Schritt papierlos zu gestalten – Nachhaltigkeit ist hier Alltag, nicht ein Schlagwort. Doch Technik allein macht noch keinen guten Käse. Entscheidend ist das Team: Menschen, die zusammenhalten, sich aufeinander verlassen können, ihr Wissen teilen und sich gegenseitig unterstützen. In der Kronen Käserei AG arbeiten Milchtechnologinnen und Milchtechnologen, die ihr Handwerk verstehen und es weitergeben. Die Ausbildung hat hier einen hohen Stellenwert: Aktuell lernt ein Auszubildender den Beruf von Grund auf, im August kommt ein weiterer dazu. Denn wer Qualität langfristig sichern will, muss Wissen, Erfahrung und Freude am Handwerk weitergeben – und genau das lebt dieses Team, Tag für Tag.
Und am Ende: Ein feines Raclette oder Käseknöpfli
Natürlich muss die Frage kommen: Was macht Fabian Wohlwend mit so gutem Käse? Er lacht. Die Antwort ist klar: Ein feines Raclette oder Käseknöpfli. Die Knöpfli, kein Geheimrezept, einfach gute Zutaten. «Eine Mischung aus nussigem und würzigem Käse, dazu etwas saurer Käse, Eier vom Land, ein Gericht, das so einfach wie perfekt ist.»
Beim Verlassen der Kronen Käserei bleibt der Gedanke an den Keller zurück – an die 120 Tonnen Käse, die still und ordentlich auf den Regalen ruhen, an die kühle Luft, die den Duft von Geduld, Handwerk und Liebe trägt. Hier wird spürbar, was die Kronen Käserei ausmacht: nicht nur Technik, nicht nur Zahlen, nicht nur das Handwerk – sondern die Ruhe, die Zeit und die Sorgfalt, die jedes einzelne Produkt begleitet. Ein Laib Käse verlässt den Keller erst, wenn er bereit ist, seinen vollen Charakter zu zeigen. Erst dann wird er zu dem, was er sein soll: ein echter «Genuss aus Liechtenstein».
Kronen
Käserei AG
Scanastrasse 12
9494 Schaan
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