Markenpartner im Fokus

Landwirtschaft und Marke Liechtenstein im Dialog für regionale Stärke

Die Landwirtschaft in Liechtenstein ist klein strukturiert, gleichzeitig aber stark vernetzt und vielseitig organisiert.

25.06.2026 - Im Zentrum der Struktur steht die Vereinigung Bäuerlicher Organisationen (VBO), die als Dachverband die Interessen der Landwirtschaft bündelt und gegenüber Politik, Behörden und Wirtschaft vertritt. Zwischen Agrarpolitik, Marktanforderungen und gesellschaftlichem Wandel versteht sich die VBO als verbindende Stimme für eine Branche, die sich laufend neuen Entwicklungen stellen muss. 
 
Die Aufgaben der VBO sind breit gefächert. Das Aufgabengebiet reicht von der politischen Interessenvertretung über Stellungnahmen zu Vernehmlassungen bis hin zur Bearbeitung von Fragen rund um Tier- und Pflanzenproduktion, Vermarktung, Bildung oder strukturelle Rahmenbedingungen. Dazu gehören Fragen zu gesetzlichen Grundlagen, Marktbeobachtungen oder der Zusammenarbeit mit Ämtern und Fachstellen ebenso wie aktuelle Veränderungen rund um Klima, Bewässerung und Infrastruktur. Gleichzeitig betreut die VBO auch Berufsförderungsprogramme und die Vermittlung von Praktikanten aus Drittstaaten, inklusive Vertragswesen in Zusammenarbeit mit dem Ausländer- und Passamt. 

«Wir sind die klassische Interessenvertretung der Landwirtschaft in Liechtenstein», erklärt Geschäftsführer Martin Renner. Alles, was die Bauernfamilien beschäftigt – von politischen Rahmenbedingungen über Marktfragen bis hin zu strukturellen Aufgaben – laufe hier zusammen. Die Organisation koordiniert Vernehmlassungen, begleitet agrarpolitische Prozesse und arbeitet eng mit Ministerien, Ämtern und Fachstellen zusammen. 

Die Nähe zu den Betrieben sei dabei zentral. «Wir stehen praktisch laufend im Kontakt mit den Bauernfamilien. Die Anliegen sind sehr unterschiedlich, genau das macht die Arbeit interessant und spannend.» 

Dass Martin Renner die Landwirtschaft nicht nur aus der reinen Verbandsperspektive kennt, wird im Gespräch schnell deutlich. Der heutige Geschäftsführer bringt langjährige Erfahrung aus Tourismus, Marketing und Landwirtschaft mit. Unter anderem war er nebst diversen Führungsaufgaben im Bereich Tourismus und Marketing, Verwaltungsrat bei Graubünden Vieh AG und dem Fleischzentrum Klosters AG, Geschäftsführer des Bündner Bauernverbands, von Agrotourismus Graubünden sowie der Genossenschaft Reifungslager Bündner Käse. Seit vielen Jahren bewegt er sich an der Schnittstelle zwischen Landwirtschaft, Vermarktung und Öffentlichkeitsarbeit. Mit seiner Familie, die mittlerweile erwachsen und ausgeflogen ist, lebt er selbst auf einem kleinen Berghof und hat in seinem Hobbybetrieb Ziegenzucht betrieben. Mittlerweile ist der Hof übergeben.  

Die Landwirtschaft in Liechtenstein habe sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert, fasst der Geschäftsführer der VBO zusammen. «Während es um 1900 noch hunderte kleine Familienbetriebe gab, sind es heute noch rund hundert Betriebe. Gleichzeitig sind die Anforderungen deutlich komplexer geworden. Die Betriebe sind grösser, spezialisierter und moderner, die Arbeitsbelastung ist jedoch nach wie vor hoch. Sechzig-Stunden-Wochen über das ganze Jahr sind in vielen Betrieben Realität. 

Hinzu kommt ein stetig wachsender administrativer Aufwand. Vorschriften, Dokumentationen und gesetzliche Vorgaben fordern die Betriebe stark. Die Bürokratie ist heute eine grosse Belastung. Dazu kommen wirtschaftlicher Druck und schwankende Marktpreise. Gleichzeitig stellt der Klimawandel die Landwirtschaft vor neue Belastungen, von Extremwetter über Trockenperioden bis hin zu Frostschäden. Besonders das Thema Bewässerung wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Der Klimawandel ist längst Realität. Wir müssen Rahmenbedingungen schaffen, damit die Bauernfamilien auch künftig gut arbeiten können. 

Gerade in einem kleinen Land wie Liechtenstein ist Zusammenarbeit entscheidend. Die VBO versteht sich als Dachverband zahlreicher bäuerlicher Organisationen und führt deren vielfältige Anliegen zusammen. Dazu gehören unter anderem der Bauernverband, der Milchverband, der Weinbauverband, Bio Liechtenstein sowie verschiedene Zucht- und Fachorganisationen. Wenn wir die Interessen der Landwirtschaft erfolgreich vertreten wollen, funktioniert das nur gemeinsam. 

Diese Zusammenarbeit endet nicht an der Landesgrenze. Der Austausch mit Fachstellen und Organisationen in der Schweiz, Österreich, Deutschland und Südtirol ist ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Erst kürzlich hat in Liechtenstein ein Vier-Länder-Treffen mit Präsidenten und Geschäftsführern bäuerlicher Organisationen aus dem deutschsprachigen Raum stattgefunden. Gerade bei Themen wie Klima, Grossraubtieren oder Marktfragen profitieren wir stark vom gegenseitigen Austausch.» 

Doch was kann die Gesellschaft selbst beitragen, damit die heimische Landwirtschaft langfristig erhalten bleibt? 

«Die Menschen haben es selbst in der Hand, indem sie regionale Produkte kaufen und damit die Landwirtschaft direkt unterstützen. Vieles beginnt beim Konsumenten», sagt Martin Renner. Gleichzeitig sei die Wertschätzung für Lebensmittel in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Während früher ein viel grösserer Anteil des Einkommens für Lebensmittel ausgegeben worden sei, liege dieser heute nur noch bei rund neun Prozent. «Als Gesellschaft müssen wir aufpassen, dass Lebensmittel nicht an Wert verlieren – nicht nur finanziell, sondern auch in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung und in ihrem ökologischen Fussabdruck. 

Dabei geht oft vergessen, wie hoch die Standards in Liechtenstein tatsächlich sind. Die Landwirtschaft produziert unter sehr strengen Vorgaben und mit hoher Qualität. Wir haben wunderbare regionale Produkte – Käse, Fleisch, Gemüse oder Alpprodukte. Diese Qualität entsteht nicht einfach so. Sie braucht Arbeit, Wissen und hohe Standards. 

Auch Nachhaltigkeit beginnt direkt vor der eigenen Haustüre. Regionale Kreisläufe, kurze Transportwege und eine funktionierende Landwirtschaft sind nicht nur wirtschaftlich wichtig, sondern auch für die Versorgungssicherheit eines Landes zentral. Gerade in geopolitisch unsicheren Zeiten wird deutlich, wie wichtig eine funktionierende Eigenversorgung ist. 

Am Schluss produziert der Bauer die Lebensmittel. Wenn wir das verlieren, verlieren wir nicht nur Kultur und Tradition, sondern auch ein Stück unserer Unabhängigkeit.» 

Doch was braucht es politisch, damit die Landwirtschaft auch in Zukunft bestehen kann? 

«Stabile Rahmenbedingungen sind entscheidend, wenn die Landwirtschaft auch in Zukunft bestehen soll. Dazu gehören Fördermassnahmen, Investitionen in Innovation und Modernisierung sowie der Schutz landwirtschaftlicher Nutzflächen. Wer Lebensmittel produzieren will, braucht Boden – das ist eine unserer grössten Herausforderungen. Bevölkerungswachstum, Bautätigkeit und zunehmender Nutzungsdruck wirken sich direkt auf die verfügbaren Landwirtschaftsflächen aus. Wo gebaut wird, wird nicht mehr produziert. 

Gleichzeitig geht es darum, jungen Menschen Perspektiven in der Landwirtschaft zu geben. Wir müssen Bedingungen schaffen, damit die nächste Generation bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und diesen Weg weiterzugehen. 

Eine starke Rolle spielt die Zusammenarbeit mit der Marke Liechtenstein. Die Markenpartnerschaft ist weit mehr als reine Kommunikation. Liechtenstein Marketing leistet einen sehr guten Job, gerade für ein kleines Land ist das bemerkenswert. 

Besonders wichtig ist die Verbindung von hochwertiger Produktion und professioneller Vermarktung. Wenn Landwirtschaft und Marke gut zusammenarbeiten, entsteht eine starke Symbiose. Auf der einen Seite stehen hochwertige regionale Produkte, auf der anderen Seite die Fähigkeit, diese Qualität sichtbar zu machen. 

Sichtbar wird diese Zusammenarbeit bei öffentlichen Auftritten. Als VBO organisieren wir unter anderem den landwirtschaftlichen Auftritt an der OLMA in St. Gallen sowie an der LIHGA in Schaan. Dabei steht die Landwirtschaft stets gemeinsam mit der Marke Liechtenstein im Fokus. Diese Verbindung von regionaler Qualität, Herkunft und professioneller Vermarktung ist enorm wichtig. 

Gerade im Bereich Kulinarik und Regionalität sehe ich ein grosses Potenzial. Die Landwirtschaft ist nicht nur Produzentin von Lebensmitteln, sondern auch Teil der Identität eines Landes. Unsere Produkte stehen für Qualität, Regionalität und Nachhaltigkeit. Das passt sehr gut zur Marke Liechtenstein. 

Dabei geht es letztlich nicht nur um wirtschaftliche Fragen. Landwirtschaft bedeutet auch Pflege der Kulturlandschaft, Erhalt der Biodiversität und Verantwortung gegenüber kommenden Generationen. Ohne Bewirtschaftung würde vieles verschwinden, was Liechtenstein heute prägt. 

Für die Zukunft wünscht sich die VBO vor allem eines: mehr Bewusstsein für den Wert regionaler Landwirtschaft. Die Bauernfamilien leisten jeden Tag sehr viel – für die Versorgung, für die Landschaft und für die Gesellschaft. Es wäre schön, wenn diese Arbeit auch künftig die entsprechende Wertschätzung erhält. 

Gleichzeitig macht es Hoffnung, dass sich auch wieder vermehrt junge Menschen für Umwelt, Landwirtschaft und nachhaltige Ernährung interessieren und sich aktiv einbringen. Wenn dieses Engagement und eine breite gesellschaftliche Wertschätzung zusammenkommen, entsteht genau das, was Liechtenstein ausmacht: ein kleines Land mit hoher Qualität, starker Identität und viel Nähe zur eigenen Herkunft», so Martin Renner. 

Vereinigung Bäuerlicher
Organisationen im
Fürstentum Liechtenstein (VBO)

Kirchstrasse 5
Postfach 851
9494 Schaan  

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